Realismus und Naturalismus (Schule)
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Realismus und Naturalismus (Schule)

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Der Realismus ist eine Literaturströmung des 19. Jahrhunderts. Die Literaturepoche des Realismus war zwischen 1848 und 1890. Als Realismus wird auch epochenunabhängig eine literarische Darstellungsweise bezeichnet.

Der Realismus in der Literatur zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Detailtreue. Die Schilderung von historischen Themen oder gesellschaftlichen Verhältnissen soll die Wirklichkeit möglichst genau nachahmen.

  • Das Schönheitsempfinden ist subjektiv. Im Realismus verleiht erst der Autor den Dingen ihren Charakter und ihre Schönheit.

  • Humor und Ironie werden verwendet, um sich der Unzulänglichkeit und Ödheit des Seins zu entziehen.

Unterschiede von Naturalismus und Realismus:

  • Im Realismus wurde vor allem das Leben des Bürgertums behandelt. Er wollte keine Kritik an der Gesellschaft sein, sondern eine realistische und gleichwohl ästhetische Darstellung bieten. Der Naturalismus hingegen kritisiert das Bürgertum.

  • Es gibt eine „Dominanz des Hässlichen“ im Naturalismus. Schauplätze sind gesellschaftliche Brennpunkte und die Protagonisten Außenseiter. Der Naturalismus will anklagen oder zumindest soziales Mitleid verursachen.

Philosophie des Naturalismus

Der Naturalismus versteht sich als eine Revolution der Literatur, weil er mit den Traditionen bricht und den Realismus überwindet. Er verzichtet auf dessen verklärende Tendenzen ebenso wie auf die Deutung der Wirklichkeit durch den Dichter.

Die naturwissenschaftlich exakte Gestaltung der Wirklichkeit gilt als Ideal. Die Welt wird untersucht und naturgetreu abgebildet. Man folgt der Gleichung "Kunst = Natur - X", wobei das X so klein wie möglich zu halten ist.

"Kunst = Natur - X" – Arno Holz (Die Kunst. Ihr Wesen und Ihre Gesetze)

Ein Kommentar des Autors ist also nicht vorgesehen, er ist zur Objektivität verpflichtet. Allein die behandelte Thematik soll eine Art soziales Mitgefühl auslösen. Der Positivismus lehnte jegliche idealistische Spekulation ab und zielt auf eine rein empirische Erkenntnis aus der Natur.

Gegen alle Regeln der Literatur wendet sich der Naturalismus. Er möchte naturgetreu abbilden, mehr Dialoge und weniger Beschreibung. Die Romane nähern sich einem Drama an. Dafür wird der Sekundenstil verwendet. Im Sekundenstil entspricht die Erzählzeit der erzählten Zeit.

Menschenbild im Naturalismus

Die Naturalisten gehen vom deterministischen Menschenbild aus. Laut der Milieutheorie ist das Schicksal eines Menschen durch drei Faktoren determiniert (vorbestimmt):

  • der Herkunft ("race")

  • dem Milieu ("milieu") und

  • den Zeitumständen ("temps")

Die Menschen können sich nicht gegen diese Umstände wehren. Ihr Bewusstsein wird von ihrem Sein bestimmt. Diese Theorie nennt man Materialismus. Vor allem Karl Marx prägte sie.

"Das Sein bestimmt das Bewusstsein." - Karl Marx

Bedeutende Werke und Autoren

Realismus

  • Theodor Fontane – Effi Briest (Roman, 1894–1895)

  • Gottfried Keller – Romeo und Julia auf dem Dorfe (Novelle, 1856), Kleider machen Leute (Novelle, 1874)

  • Georg Büchner – Woyzeck (Dramenfragment, 1879) (hat naturalistische Züge)

Naturalismus

  • Arno Holz und Johannes Schlaf – Papa Hamlet (Novelle, 1889)

  • Gerhart Hauptmann – Die Ratten (Drama, 1911)

  • Leon Scherer – Der Mann (Drama, 1896)

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